Abstract
Die Wahl der Wärmeübertragungstechnologie hat erheblichen Einfluss auf Investitionskosten, Betriebseffizienz und Amortisationsdauer in industriellen Anwendungen. Diese Arbeit vergleicht Kissenplatten-Wärmeübertrager (Pillow-Plate Heat Exchangers, PPHE) mit konventionellen Rohrbündel-Wärmetauschern (Shell-and-Tube Heat Exchangers, STHE) hinsichtlich thermodynamischer Leistungsfähigkeit, Wärmeübergangskoeffizienten, Druckverlust, Investitions- und Betriebskosten sowie Amortisationsdauer. Kissenplatten-Wärmeübertrager zeichnen sich durch 25–30 % höhere Wärmeübergangskoeffizienten (1.000–4.000 W/(m²·K)) gegenüber Rohrbündel-Systemen (150–1.200 W/(m²·K)) aus [1][2]. Die kompakte Bauweise reduziert den Materialeinsatz um bis zu 40 % und den Platzbedarf um ein Drittel [2][3]. Trotz 15–25 % höherer Anfangsinvestition amortisieren sich PPHE-Systeme durch geringere Wartungskosten (Reduktion um 25 %), höhere Energieeffizienz (Einsparung 10–15 %) und geringeren Reinigungsaufwand bei Fouling innerhalb von 2–4 Jahren [3]. Experimentelle Daten und CFD-Simulationen belegen die überlegene thermisch-hydraulische Performance von Kissenplatten in Klein- und Mittelmaßstäben [4].
1. Einleitung
Wärmeübertrager spielen eine zentrale Rolle in der industriellen Prozesswärmerückgewinnung, chemischen Verarbeitung, Lebensmittelproduktion und Energieerzeugung. Ineffiziente Wärmeübertragungssysteme verursachen erhebliche industrielle Energieverluste. Die Auswahl des optimalen Wärmeübertragertyps beeinflusst nicht nur die thermische Effizienz, sondern auch Investitionskosten, Wartungsaufwand und Anlagenlebensdauer maßgeblich [5].
Rohrbündel-Wärmetauscher (STHE) dominieren seit Jahrzehnten aufgrund ihrer Robustheit, Druckfestigkeit und bewährten Technologie in Hochtemperatur- und Hochdruckanwendungen [6]. Kissenplatten-Wärmeübertrager (PPHE) stellen eine innovative Alternative dar, die durch Punkt- und Nahtschweißung zweier Metallbleche mit anschließender pneumatischer oder hydraulischer Verformung komplexe Strömungskanäle erzeugt [4][7]. Diese Bauweise ermöglicht verbesserte Wärmeübertragung bei gleichzeitig reduziertem Druckverlust und kompakter Bauform [1][7].
Ziel dieser Arbeit ist ein systematischer Vergleich beider Technologien unter Berücksichtigung von:
- Thermodynamischen Grundlagen und Wärmeübergangskoeffizienten
- Hydraulischen Eigenschaften und Druckverlusten
- Konstruktions- und Materialanforderungen
- Investitions- und Betriebskostenanalyse
- Amortisationsrechnungen für typische Industrieanwendungen
- Wartungs- und Fouling-Verhalten
Die Analyse integriert experimentelle Daten aus der Literatur, insbesondere die Studien von Arsenyeva et al. (2018) zu Klein-PPHE-Systemen [4], sowie aktuelle Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen aus industriellen Anwendungen [3].
2. Technologische Grundlagen
2.1 Rohrbündel-Wärmetauscher (Shell-and-Tube)
Rohrbündel-Wärmetauscher bestehen aus einem zylindrischen Mantel, in dem ein Bündel paralleler Rohre angeordnet ist. Ein Fluid strömt durch die Rohre, während das zweite Fluid den Mantelraum durchströmt [6][8].
Konstruktionsmerkmale:
- Rohrdurchmesser: typisch 15–50 mm
- Rohrlängen: 1–12 m je nach Anwendung
- Materialien: Kohlenstoffstahl, Edelstahl, Kupferlegierungen, Titan, Aluminium, Nickel-Basis-Legierungen, Graphit
- Betriebsdrücke: bis 200 bar
- Betriebstemperaturen: -200 bis +600 °C
Vorteile:
- Hohe Druckfestigkeit und Temperaturbeständigkeit [6][8]
- Bewährte Technologie mit umfangreichen Auslegungsstandards (TEMA, DIN, ASME)
- Geeignet für verschmutzende Medien durch mechanische Reinigungsmöglichkeit [9]
- Lange Lebensdauer (20–30 Jahre)
Nachteile:
- Großer Platzbedarf und hohes Gewicht [10][11]
- Geringere Wärmedurchgangskoeffizienten (150–1.200 W/(m²·K)) [2]
- Höherer Wartungsaufwand durch Rohrreinigung [9]
- Ungleichmäßige Temperaturverteilung bei schlechter Strömungsführung [8]
2.2 Kissenplatten-Wärmeübertrager (Pillow-Plate)
Kissenplatten-Wärmeübertrager werden durch Punktschweißung zweier Metallbleche nach einem definierten Schweißpunktmuster und anschließende Hydroformung (Aufblasen) hergestellt. Dadurch entstehen kissenartige Kanäle mit komplexer dreidimensionaler Geometrie [4][7].
Konstruktionsmerkmale:
- Blechdicke: 0,5–2,0 mm (typisch 0,8–1,5 mm)
- Schweißpunktabstand: 30–60 mm longitudinal, 20–40 mm transversal [7]
- Kanalexpansion (Kissenhöhe): 2–8 mm
- Materialien: Kohlenstoffstahl, Edelstahl, Titan, Nickel-Basis-Legierungen
- Betriebsdrücke: bis 40 bar (Standard), bis 100 bar (Sonderausführungen)
- Betriebstemperaturen: –273 bis +500 °C
Vorteile:
- Hohe Wärmedurchgangskoeffizienten (1.000–4.000 W/(m²·K)) [1][2]
- Kompakte Bauweise mit bis zu 30 % Platzersparnis [2][3]
- Geringer Materialeinsatz (bis 40 % weniger Stahl als STHE) [12]
- Reduziertes Fouling durch glatte Oberflächen und turbulente Strömung [7]
- Einfache Reinigung ohne Demontage bei CIP-Fähigkeit [3]
- Flexible Anpassung an unterschiedliche Volumenströme durch variable Stromführung und Kanalabstände [4][7]
Nachteile:
- Begrenzte Druckfestigkeit im Vergleich zu STHE [6]
- Höhere Anfangsinvestition (15–25 % über STHE bei vergleichbarer Leistung)
- Weniger etablierte Auslegungsnormen [13]
- Eingeschränkte Eignung für sehr hochviskose Medien
3. Thermodynamische Analyse
3.1 Wärmeübertragungskoeffizienten
Der Gesamtwärmedurchgangskoeffizient U [W/(m²·K)] beschreibt die Wärmeübertragungsleistung:
wobei h1 und h2 die Wärmeübergangskoeffizienten auf beiden Seiten [W/(m²·K)], δw die Wanddicke [m], λw die Wärmeleitfähigkeit des Wandmaterials [W/(m·K)] und Rf der Fouling-Widerstand [(m²·K)/W] sind [2][14].
Vergleichswerte aus der Literatur:
Tabelle 1: Vergleich der Gesamtwärmedurchgangskoeffizienten verschiedener Wärmeübertragertypen
| Wärmeübertragertyp | U [W/(m²·K)] | Quelle |
| Rohrbündel-Wärmetauscher | 150–1.200 | [2][8] |
| Doppelrohr-Wärmetauscher | 300–1.400 | [2] |
| Plattenwärmetauscher | 1.000–4.000 | [2][10] |
| Kissenplatten-Wärmeübertrager | 1.000–4.000 | [1][2][3] |
Kissenplatten erreichen 25–30 % höhere Wärmeübergangskoeffizienten als Rohrbündel-Systeme [1][7].
Dies resultiert aus:
- Turbulenzinduktion: Die kissenartige Geometrie erzeugt künstliche Turbulenz bereits bei niedrigen Reynolds-Zahlen (Re < 2300), wodurch die laminare Grenzschicht aufgebrochen wird [4][15].
- Vergrößerte Oberfläche: Die dreidimensionale Expansion erhöht die effektive Wärmeübertragungsfläche um 15–20 % gegenüber ebenen Platten [7].
- Optimierte Strömungsführung: Sekundärströmungen und Wirbelbildung intensivieren den konvektiven Wärmeübergang [4][15].
3.2 Experimentelle Daten aus Klein-PPHE-Studien
Arsenyeva et al. (2018) führten experimentelle Untersuchungen an kleinen-Kissenplatten durch [4]. Die Hauptgeometrieparameter:
Tabelle 2: Geometrische Parameter der untersuchten kleinen Kissenplatten nach Arsenyeva et al. (2018) [4]
| Parameter | Wert [mm] |
| Schweißpunktdurchmesser (dws) | 6 |
| Innere Aufdrückhöhe der Kissenplatten (hi) | 3,5 |
| Longitudinaler Schweißpunktabstand (2sL) | 42 |
| Transversaler Schweißpunktabstand (sT) | 36 |
| Kissenplattenbreite (wpp) | 230 |
| Kissenplattenhöhe (Lpp ) | 530 |
| Abstand zwischen Kissenplatten (h) | 12 |
Versuchsaufbau:
- Kühlwasser (20 °C, 900 kg/h) strömt durch die inneren Kanäle der Kissenplatten
- Heiße Luft (325 °C, 40 bis 105 kg/h) durchströmt den äußeren Kanal zwischen den Kissenplatten
- Druckverlust- und Temperaturmessungen mit ±0,10 % Genauigkeit (Wasser) bzw. ±0,50 % (Luft) [4]
Experimentelle Ergebnisse:
Für die inneren Kissenkanäle (Wasser): h1 = 6.280 W/(m²·K) [4]
Für den äußeren Kanal (Luft): h2 = 57 W/(m²·K) [4]
Korrelation für den äußeren PPHE-Kanal:
Reibungsfaktor für den Druckverlust:
Nusselt-Zahl für den Wärmeübergang:
Gültigkeitsbereich: 3.000 < Re < 20.000 (turbulente Strömung) [4].
Die Abweichung zwischen den experimentellen Daten und CFD-Simulationen lag unter 15 %, was eine zufriedenstellende Übereinstimmung darstellt [4].
3.3 Wärmeübertragungseffizienz im Vergleich
Für einen typischen Anwendungsfall (Wasser-Wasser-Wärmeaustausch, ΔT = 20 K, Q = 100 kW) ergibt sich:
Erforderliche Wärmeübertragungsfläche:
wobei ΔTm die von der Stromführung abhängige mittlere Temperaturdifferenz ist.
Vergleichsrechnung:
Tabelle 3: Vergleich der erforderlichen Wärmeübertragungsfläche bei 100 kW Wärmeleistung
| Parameter | STHE | PPHE |
| U [W/(m²·K)] | 800 | 2.500 |
| ΔTm [K] | 15 | 15 |
| Erforderliche Fläche A [m²] | 8,33 | 2,67 |
| Flächenreduktion | – | -68% |
PPHE benötigen rund 60–70 % weniger Wärmeübertragungsfläche als STHE bei gleicher thermischer Leistung [1][2].
4. Hydraulische Eigenschaften und Druckverlust
4.1 Druckverlustberechnung
Der Druckverlust Δp [Pa] in Wärmeübertragern wird beschrieben durch:
wobei λ der Reibungsfaktor [-], L die Kanallänge [m], dh der hydraulische Durchmesser [m], ρ die Fluiddichte [kg/m³] und ν die mittlere Strömungsgeschwindigkeit [m/s] sind [14].
4.2 Vergleichsdaten Druckverlust
Rohrbündel-Wärmetauscher:
- Rohrseite: Druckverlust 10 bis 50 kPa (typisch)
- Mantelseite: Druckverlust 20 bis 100 kPa je nach Leitblechanordnung [8]
- Ungleichmäßige Strömungsverteilung kann zu Totzonenbildung führen [6]
Kissenplatten-Wärmeübertrager:
- Innerer Kanal: Druckverlust 15 bis 60 kPa
- Äußerer Kanal: Druckverlust 5 bis 30 kPa [4][7]
- Flache, parallele Kanäle reduzieren den Druckverlust im Mantelraum [3][12]
Experimentelle Daten von Arsenyeva et al. (2018) [4]:
Für den äußeren Kanal mit Re = 5.173 (turbulente Strömung) ergab sich:
- CFD-simulierter Wärmeübergangskoeffizient: 47 W/(m²·K)
- Experimenteller Wert: 56,81 W/(m²·K)
- Abweichung: 17 %, erklärbar durch Einlaufeffekte [4]
PPHE zeigen bis zu 30 % geringeren Druckverlust auf der Produktseite im Vergleich zu STHE bei vergleichbarer Wärmeleistung [3][12].
5. Fouling und Wartung
5.1 Fouling-Verhalten
Fouling (Verschmutzung) reduziert den Wärmeübergangskoeffizienten und erhöht den Druckverlust. Der Fouling-Widerstand Rf [(m²·K)/W] wird empirisch bestimmt [14].
Typische Fouling-Widerstände:
Tabelle 4: Vergleich typischer Fouling-Widerstände [(m²·K)/W]
| Fluidtyp | STHE Rf | PPHE Rf |
| Reines Wasser | 0,0001 | 0,00005 |
| Kühlwasser (behandelt) | 0,0002 | 0,0001 |
| Prozesswasser | 0,0005 | 0,0003 |
| Öle | 0,0003 | 0,0002 |
PPHE zeigen 30–50 % geringeres Fouling als STHE [7] aufgrund:
- Glatterer Oberflächen (Edelstahl geschweißt vs. Rohre mit Leitblechen)
- Höherer Wandschubspannungen durch Turbulenz [4]
- Selbstreinigungseffekt durch pulsierende Strömung in kissenartigen Kanälen [15]
5.2 Wartungsaufwand
Rohrbündel-Wärmetauscher:
- Mechanische Reinigung durch Rohrbürsten erforderlich (je nach Verschmutzung 1–2x jährlich oder häufiger) [9]
- Demontage von Endabdeckungen zeitaufwändig (4–8 Stunden) [9]
- Dichtungswechsel alle 2–5 Jahre [6]
- Wartungskosten pro Hahr: ca. 3–5 % der Investitionskosten [3]
Kissenplatten-Wärmeübertrager:
- CIP (Cleaning in Place) möglich ohne Demontage [3]
- Chemische Reinigung mit Säure/Lauge-Lösungen ausreichend
- Keine Dichtungen in den Schweißbereichen – reduziertes Leckagerisiko [7]
- Wartungskosten: ca. 1,5–3 % der Investitionskosten pro Jahr [3]
PPHE reduzieren Wartungskosten um bis zu 25 % gegenüber STHE [3].
6. Wirtschaftliche Analyse
6.1 Investitionskosten
Die Investitionskosten setzen sich zusammen aus:
- Materialkosten (Edelstahl, Dichtungen, Anschlüsse)
- Fertigungskosten (Schweißen, pneumatisches Aufdrücken, Qualitätskontrolle)
- Transportkosten
- Installationskosten
Vergleichsberechnung für 100 kW Wärmeleistung (Wasser-Wasser, ΔT = 20 K):
Tabelle 5: Investitionskostenvergleich für 100 kW Wärmeleistung
| Kostenposition | STHE | PPHE |
| Grundgerät [EUR] | 25.000 | 30.000 |
| Installation [EUR] | 8.000 | 5.000 |
| Peripherie (Pumpen, Rohrleitungen) [EUR] | 7.000 | 5.000 |
| Gesamtinvestition [EUR] | 40.000 | 40.000 |
Anmerkung: Trotz höherer Gerätekosten (+20 %) kompensieren PPHE dies durch geringere Installations- und Peripheriekosten aufgrund kompakterer Bauweise [3].
6.2 Betriebskosten
Jährliche Betriebskosten setzen sich zusammen aus:
- Energiekosten (Pumpenleistung für Druckverlustüberwindung)
- Wartungskosten (Reinigung, Inspektion, Reparaturen)
- Ausfallkosten (Produktionsstillstand bei Wartung)
Annahmen:
- Betriebsstunden: 6.000 h/Jahr
- Strompreis: 0,15 EUR/kWh
- Pumpen-Wirkungsgrad: 70 %
- Produktwert bei Stillstand: 500 EUR/h
Energiekosten (Pumpenstrom):
Für V = 10 m³/h und Δp = 50 kPa (STHE) bzw. 35 kPa (PPHE):
Tabelle 6: Energiekostenvergleich bei 6.000 Betriebsstunden/Jahr
| Parameter | STHE | PPHE |
| Pumpenleistung [kW] | 0,20 | 0,14 |
| Jährliche Energiekosten [EUR] | 180 | 126 |
| Einsparung [EUR/year] | – | 54 |
Wartungskosten:
Tabelle 7: Jährliche Wartungskosten
| Position | STHE [EUR/Jahr] | PPHE [EUR/Jahr] |
| Mechanische Reinigung | 1.500 | 0 |
| CIP-Reinigung | 0 | 400 |
| Dichtungswechsel | 300 | 0 |
| Inspektion | 500 | 300 |
| Summe | 2.300 | 700 |
Ausfallkosten:
- STHE: 2 Wartungsstillstände à 8 Stunden = 16 h/Jahr → 8,000 EUR
- PPHE: 1 Wartung à 4 Stunden = 4 h/Jahr → 2,000 EUR
- Einsparung: 6.000 EUR/Jahr
Gesamte jährliche Betriebskosten:
Tabelle 8: Jährliche Gesamtbetriebskosten
| Kostenart | STHE [EUR/Jahr] | PPHE [EUR/Jahr] |
| Energiekosten | 180 | 126 |
| Wartungskosten | 2.300 | 700 |
| Ausfallkosten | 8.000 | 2.000 |
| Summe | 10.480 | 2.826 |
Jährliche Betriebskosteneinsparung PPHE: 7.654 EUR/Jahr
6.3 Amortisationsrechnung
Methode: Statische Amortisationsrechnung (Payback-Methode) [23]:
Fall 1: Gleiche Investitionskosten (40.000 EUR)
Fall 2: PPHE 20 % teurer (48.000 EUR vs. 40.000 EUR)
Fall 3: PPHE 25 % teurer (50.000 EUR vs. 40.000 EUR)
Ergebnis: PPHE amortisieren sich innerhalb von 1–2 Jahren, selbst bei 25 % höherer Anfangsinvestition [3].
6.4 Lebenszykluskostenanalyse (15 Jahre)
Gesamtkosten über 15 Jahre:
Tabelle 9: Lebenszykluskostenvergleich über 15 Jahre
| Kostenposition | STHE [EUR] | PPHE [EUR] |
| Investition | 40.000 | 50.000 |
| Betriebskosten (15 Jahre) | 157.200 | 42.390 |
| Gesamtkosten | 197.200 | 92.390 |
| Einsparung PPHE | – | 104.810 |
Über die Lebensdauer von 15 Jahren sparen PPHE rund 53 % der Gesamtkosten ein [3].
7. Anwendungsgebiete und Auswahlkriterien
7.1 Bevorzugte Anwendungen für STHE
- Hohe Betriebsdrücke (> 40 bar)
- Extreme Temperaturen (> 300 °C oder < -50 °C)
- Stark verschmutzende Medien mit mechanischer Reinigungsnotwendigkeit
- Chemische Verfahren mit aggressiven Medien (Säuren, Laugen)
- Petrochemische Industrie [6][8]
7.2 Bevorzugte Anwendungen für PPHE
- Lebensmittel- und Getränkeindustrie (Pasteurisierung, Fermentation, Kühlung)
- Pharmazeutische Industrie (aseptische Prozesse) [7]
- Chemische Verfahrenstechnik (moderate Drücke und Temperaturen) [7]
- Energierückgewinnung in Gebäuden und Lüftungsanlagen
- Molkereien und Milchverarbeitung
- Platzbeschränkte Anwendungen [2][10]
7.3 Entscheidungsmatrix
Tabelle 10: Qualitative Bewertungsmatrix (⭐ = niedrig/schlecht, ⭐⭐⭐⭐⭐ = hoch/sehr gut)
| Kriterium | STHE | PPHE |
| Wärmeübertragungseffizienz | ⭐⭐☆☆☆ | ⭐⭐⭐⭐☆ |
| Kompaktheit | ⭐⭐☆☆☆ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Druckfestigkeit | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐☆☆ |
| Wartungsfreundlichkeit | ⭐⭐☆☆☆ | ⭐⭐⭐⭐☆ |
| Investitionskosten | ⭐⭐⭐☆☆ | ⭐⭐☆☆☆ |
| Betriebskosten | ⭐⭐☆☆☆ | ⭐⭐⭐⭐☆ |
| Lebenszykluskosteneffizienz | ⭐⭐☆☆☆ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
8. Diskussion
8.1 Thermodynamische Überlegenheit der PPHE
Die experimentellen und CFD-basierten Studien von Arsenyeva et al. (2018) [4] belegen eindeutig die höheren Wärmeübergangskoeffizienten von Kissenplatten-Wärmeübertragern [4]. Die kissenartige Geometrie erzeugt künstliche Turbulenz, intensiviert Sekundärströmungen und vergrößert die effektive Wärmeübertragungsfläche [7][15]. Dies führt zu 25–30 % höheren Wärmeübergangskoeffizienten im Vergleich zu konventionellen Rohrbündel-Systemen [1][7].
Die CFD-Analyse zeigt zudem eine ungleichmäßige Verteilung der Wandschubspannung und des Wärmeflusses auf der Kissenplattenoberfläche [4]. Während Schweißpunkte niedrigere Wärmeflüsse aufweisen, erreichen konvexe Bereiche maximale Werte. Diese Inhomogenität begünstigt die Vermeidung von Fouling, da hohe lokale Schubspannungen Ablagerungen verhindern [15].
8.2 Wirtschaftliche Vorteile trotz höherer Anfangsinvestition
Trotz 15–25 % höherer Anschaffungskosten amortisieren sich PPHE-Systeme innerhalb von 1–2 Jahren durch [3]:
- Reduzierte Wartungskosten (25 % Einsparung durch CIP-Fähigkeit)
- Geringere Energiekosten (10–15 % durch niedrigeren Druckverlust)
- Minimierte Ausfallkosten (kürzere Stillstandszeiten)
- Platzeinsparung (bis zu 30 % Reduktion der Stellfläche)
Über die Lebensdauer von 15–20 Jahren ergeben sich Gesamtkosteneinsparungen von 20–40 % im Vergleich zu STHE [3]. Diese Ergebnisse decken sich mit industriellen Erfahrungsberichten aus der Lebensmittel-, Pharma- und chemischen Industrie.
8.3 Grenzen der PPHE-Technologie
Trotz der thermisch-hydraulischen Vorteile bleiben PPHE in folgenden Bereichen limitiert:
- Druckfestigkeit: Standardausführungen bis 40 bar, Sonderausführungen bis 100 bar [7]. STHE sind auch bei Drücken >200 bar einsetzbar [6].
- Temperaturbereich: PPHE typisch bei austenitischen Edelstählen -273 bis +500 °C. STHE: -273 bis +600 °C.
- Auslegungsnormen: STHE verfügen über etablierte Standards (TEMA, ASME) [8]. PPHE-Auslegung basiert auf empirischen Korrelationen mit begrenztem Gültigkeitsbereich [4][13].
- Mechanische Reinigung: Bei stark verschmutzenden Medien (z. B. Rohöl, Schlämme) ist mechanische Rohrreinigung bei STHE vorteilhafter [9].
8.4 Zukünftige Entwicklungen
Die PPHE-Technologie gewinnt zunehmend an Bedeutung aufgrund:
- Wachsender Nachfrage nach kompakten, energieeffizienten Wärmeübertragern
- Strengeren Hygienevorschriften in Lebensmittel- und Pharmaindustrie
- Fortschritte in Laserschweißtechnologie und Kaltumformung [7]
- Entwicklung von CFD-basierten Auslegungstools [4][15]
Der globale PPHE-Markt wird auf 2,4 Milliarden USD bis 2033 geschätzt, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 7–9 % [17].
9. Schlussfolgerung
Kissenplatten-Wärmeübertrager (PPHE) übertreffen Rohrbündel-Wärmetauscher (STHE) deutlich hinsichtlich Wärmeübertragungseffizienz (25–30 % höhere Wärmedurchgangskoeffizienten), Kompaktheit (30 % Platzeinsparung), Wartungsfreundlichkeit (25 % Kostensenkung) und Lebenszykluskosteneffizienz (20–40 % Gesamteinsparung) [1][3][7]. Trotz 15–25 % höherer Anfangsinvestition amortisieren sich PPHE-Systeme innerhalb von 1–2 Jahren durch geringere Betriebs- und Wartungskosten [3].
Die experimentellen Untersuchungen von Arsenyeva et al. (2018) an kleinen Kissenplatten belegen die überlegene thermisch-hydraulische Performance mit Wärmeübergangskoeffizienten von bis zu 6.280 W/(m²·K) im inneren Kanal [4]. CFD-Simulationen bestätigen die intensivierte Turbulenz und optimierte Wärmeflussverteilung auf der Kissenplattenoberfläche [4][15].
Für Anwendungen in der Lebensmittel-, Pharma- und chemischen Industrie mit moderaten Drücken (< 40 bar) und Temperaturen (< 500 °C) stellen PPHE die wirtschaftlich und thermodynamisch überlegene Technologie dar [7]. STHE bleiben die bevorzugte Wahl für Hochdruck-, Hochtemperatur- und stark verschmutzende Anwendungen in der Petrochemie und Energieerzeugung [6][8].
Die zukünftige Entwicklung von PPHE-Auslegungsstandards, fortgeschrittenen Fertigungstechnologien und CFD-basierten Optimierungstools wird die Marktdurchdringung dieser innovativen Wärmeübertragertechnologie weiter beschleunigen [17].
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