Vergleichsanalyse

Eiswasserkühlung mit 0,5 °C kaltem Wasser versus Kaltwasserkühlung mit 2 °C kaltem Wasser in milchverarbeitenden Betrieben

Dieses Bild zeigt ein Porträt von Sven-Olaf Kluee.

Sven-Olaf Klüe
Geschäftsführer

Sven-Olaf Klüe arbeitet seit 27 Jahren im Bereich Auslegung, Herstellung und Anwendungen von Kissenplatten-Wärmeübertrager weltweit. Seit 15 Jahren ist er speziell auf die prozessualen Anwendungen von Kissenplatten-Wärmeübertrager in industriellen Anwendungen fokussiert.

Zusammenfassung

Die Wahl der Kühlwassertemperatur in Molkereibetrieben beeinflusst maßgeblich Prozesseffizienz, Produktqualität, Energieverbrauch und Wirtschaftlichkeit. In dieser Arbeit werden die thermodynamische Effizienz, die Kühlgeschwindigkeit, die mikrobiologische Sicherheit, die Produktqualität und die Betriebskosten bei Kühlung mit 0,5 Grad kaltem Eiswasser und 2 Grad kaltem Kaltwasser miteinander verglichen. Die Analyse zeigt, dass Eiswasser mit einer Temperatur von 0,5 °C aufgrund der größeren Temperaturdifferenz im Wärmetauscher eine um 30–50 % schnellere Milchkühlung von 32 °C auf 4 °C ermöglicht und die Zieltemperatur besser erreicht werden kann [1][2]. Die schnellere Abkühlung reduziert die Generationszeit mesophiler und psychrotropher Bakterien signifikant, senkt Gesamtkeimzahlen um 15–25 % und verlängert die Haltbarkeit um 20–30 % [3][4][5]. Moderne Fallfilm-Eiswassersysteme erreichen bei Verdampfungstemperaturen von T₀ ≈ −2 °C höhere COP-Werte (4,5–5,5) als konventionelle Kaltwassersysteme mit 2 °C (COP 3,5–4,2) und senken den spezifischen Energieverbrauch um bis zu 20 % [1][2][6]. Trotz 15–25 % höherer Investitionskosten amortisieren sich Eiswassersysteme mit einer Temperatur von 0,5°C durch niedrigere Energiekosten, geringere Produktverluste und höhere Durchsatzraten wirtschaftlich innerhalb von 4–6 Jahren [2][6].

1. Einleitung

In der modernen milchverarbeitenden Industrie ist die rasche und präzise Kühlung der Rohmilch von etwa 32–35 °C auf maximal 4 °C innerhalb von vier Stunden nach dem Melken entscheidend für die mikrobiologische Sicherheit, Haltbarkeit und Produktqualität [3][4][7]. Konventionelle Kaltwassersysteme mit 2 °C Vorlauftemperatur sind weit verbreitet, erreichen jedoch häufig nur Milch-Endtemperaturen von 5–6 °C aufgrund nicht ausreichender Temperaturdifferenzen im Plattenwärmetauscher [8][9].

Eiswassersysteme mit Vorlauftemperaturen um 0,5 °C ermöglichen eine tiefere und schnellere Kühlung auf 2–4 °C, was mikrobiologische und qualitative Vorteile bietet [1][2][10]. Moderne Fallfilm-Eiswasserkühler arbeiten bei höheren Verdampfungstemperaturen (T₀ ≈ -2 °C) als traditionelle Systeme und erreichen dadurch bessere Energieeffizienz [1][2][6].

Ziel dieser Arbeit ist ein systematischer Vergleich beider Kühlkonzepte unter Berücksichtigung von Wärmeübertragungsraten, Kühlzeiten, mikrobiologischen Effekten, Produktqualität, Energieverbrauch und Gesamtwirtschaftlichkeit.

2. Theoretische Grundlagen der Milchkühlung

2.1 Wärmeübertragung im Plattenwärmetauscher

Die übertragene Wärmeleistung Q [W] im Gegenstrom-Plattenwärmetauscher wird beschrieben durch:

Q ˙ = U A Δ T log 

wobei U der Gesamtwärmedurchgangskoeffizient [W/(m²·K)], A die Wärmetauscherfläche [m²] und ΔTlog die logarithmische mittlere Temperaturdifferenz [K] ist [11].

Die logarithmische mittlere Temperaturdifferenz berechnet sich nach 

Δ T log = Δ T 1 - Δ T 2 l n ( Δ T 1 / Δ T 2 ) 

mit ΔT1 und ΔT2 als den Temperaturdifferenzen an beiden Enden des Wärmetauschers.

Tabelle 1: Vergleich der Milchkühlung von 32 °C auf Zieltemperatur

SystemKühlwasser an/ausMilch an/ausTlog
Kaltwasser mit 2 °C2 °C / 8 °C32 °C / 5,5 °C11,2 K
Eiswasser mit 0.5 °C0,5 °C / 6,5 °C32 °C / 5,5 °C12,8 K

Bei gleichem Wärmedurchgangskoeffizienten U und gleicher Fläche A ergibt sich:

Q ˙ Eis Q ˙ Kalt = Δ T log,Eis Δ T log,Kalt = 12,8 11,2 = 1,14

Eiswasser ermöglicht eine um  14 % höhere Wärmeleistung bei gleicher Tauschergröße oder erreicht gleiche Kühlleistung mit kleinerer Fläche [1][2].

2.2 Annäherungstemperatur (Approach Temperature)

Die Annäherungstemperatur beschreibt die kleinste erreichbare Differenz zwischen Milch-Austrittstemperatur und Kühlwasser-Eintrittstemperatur im Wärmetauscher. In effizienten Plattenwärmetauschern beträgt diese 1-2 K [9][12].

Tabelle 2: Erreichbare Milch-Endtemperaturen bei unterschiedlichen Kühlwassertemperaturen

Kühlwasser-EintrittApproach 1,5 KMilch-Austritt
2,0 °C+ 1,5 K3,5 °C
0,5 °C+ 1,5 K2,0 °C

Nur Eiswasser mit 0,5 °C ermöglicht zuverlässige Milchkühlung auf 23 °C, was mikrobiologisch und qualitativ signifikante Vorteile bietet [1][2][3].

2.3 Spezifische Wärmekapazität der Milch

Die spezifische Wärmekapazität von Vollmilch (3,5 % Fett) beträgt 

c p = 3,93   kJ/(kg · K) 

Für Magermilch liegt cp bei etwa 3,97 kJ/(kg·K) [13].

Die zu entziehende Wärmemenge bei Kühlung von 1.000 kg Vollmilch von 32 °C auf 4 °C ergibt sich damit zu

Q = m c p Δ T = 1.000   kg 3,93   kJ/(kg · K) ( 32 - 4 )   K = 110.040   kJ 30,6   kWh

3. Mikrobiologische Aspekte

3.1 Bakterielles Wachstum in Abhängigkeit von der Temperatur

Die Wachstumsrate von Bakterien in Milch ist stark temperaturabhängig. Mesophile Bakterien (optimal 2537 °C) zeigen bei 10 °C bereits deutlich reduziertes Wachstum, während psychrotrope Bakterien (Pseudomonas spp.) auch bei 47 °C wachsen können [3][4][5][14].

Tabelle 3: Generationszeiten verschiedener Bakteriengruppen in Milch [3][4][14]

TemperaturGenerationszeit mesophilGenerationszeit psychotrop
35 °C20–30 min90–120 min
20 °C60–90 min120–180 min
10 °C180–300 min240–360 min
4 °CWachstum gehemmt400–600 min
2 °CWachstum stark gehemmt600–900 min

Kritisches Zeitfenster: Die ersten 4 Stunden nach dem Melken sind entscheidend, da in dieser Zeit die Lag-Phase der Bakterien endet und exponentielles Wachstum beginnt [3][4][7]. Je schneller die Milch unter 4 °C gekühlt wird, desto geringer die Gesamtkeimzahl.

3.2 Vergleich der Keimzahlentwicklung

Szenario: 10.000 Liter Rohmilch, Anfangskeimzahl 10.000 KbE/ml (KbE = koloniebildende Einheit)

2 °C Kaltwasser-System:

  • Kühlung von 32 °C auf 5,5 °C in 45 Minuten
  • Lagerung bei 5,5 °C für 48 Stunden
  • Endkeimzahl: ca. 35.000–45.000 KbE/ml [4][5]

0,5 °C Eiswasser-System:

  • Kühlung von 32 °C auf 3,0 °C in 30 Minuten
  • Lagerung bei 3,0 °C für 48 Stunden
  • Endkeimzahl: ca. 25.000–32.000 KbE/ml [4][5]

Reduktion der Keimzahl um 20-30 % durch Eiswasserkühlung, was direkt die Haltbarkeit und Produktsicherheit erhöht [3][4][5].

3.3 Qualitative Auswirkungen

Niedrigere Lagertemperaturen reduzieren:

  • Lipolyse (Fettspaltung durch bakterielle Lipasen) → besserer Geschmack [4][15]
  • Proteolyse (Proteinabbau) → längere Haltbarkeit von Käse und Joghurt [4][15]
  • Sensorische Defekte (Ranzigkeit, Bitterkeit) [4][5]

Studien zeigen, dass in bei 2 °C gelagerte Milch die sensorische Qualität nach 5 Tagen noch ausgezeichnet ist, während in bei 6 °C gelagerter Milch nach 3 Tagen bereits Qualitätsverluste auftreten [4][5][15].

4. Energetische Aspekte

4.1 Leistungszahl der Kältemaschine (COP)

Die Leistungszahl (COP) einer Kältemaschine beschreibt das Verhältnis von Kälteleistung zu elektrischer Leistungsaufnahme: 

COP = Q ˙ 0 P el 

Der COP steigt mit höherer Verdampfungstemperatur T₀. Moderne Fallfilm-Eiswassersysteme erreichen bei T₀ ≈ −2 °C für 0,5 °C Eiswasser höhere COP-Werte als konventionelle Systeme mit niedrigeren Verdampfungstemperaturen [1][2][6].

Tabelle 4: Vergleich der COP-Werte verschiedener Systeme

SystemVerdampfungstemperatur TCOPQuelle
2 °C Kaltwasser (konventionell)-5 bis -8 °C3,5–4,2[6][16]
0,5 °C Eiswasser (Fallfilm)-2 bis -3 °C4,5–5,5[1][2][6]

Fallfilm-Eiswassersysteme erreichen bis zu 20 bis 30 % höhere COP-Werte durch optimierte Verdampfungstemperaturen [1][2][6].

4.2 Rechenbeispiel: Energieverbrauch für die Kühlung von 10.000 Liter Milch

Ausgangsdaten:

  • Milchmenge: 10.000 Liter (≈ 10.300 kg, Dichte 1,03 kg/l)
  • Kühlung von 32 °C auf Zieltemperatur
  • Spezifische Wärmekapazität: 3,93 kJ/(kg·K)

2 °C Kaltwasser-System (Zieltemperatur 5,5 °C): 

Q = 10.300 3,93 ( 32 - 5,5 ) = 1.071 . 000   kJ = 297,5   kWh 

Bei COP = 3,8: 

P el = 297,5 3,8 = 78,3   kWh 

0,5 °C Eiswasser-System (Zieltemperatur 3,0 °C): 

Q = 10.300 3,93 ( 32 - 3,0 ) = 1.174 . 000   kJ = 326,1   kWh 

Bei COP = 5,0: 

P el = 326,1 5,0 = 65,2   kWh 

Energieeinsparung trotz tieferer Kühlung: 

Einsparung = 78,3 - 65,2 = 13,1   kWh   ( 16,7   % )

Die Einparung beträgt 16,7 % Strom trotz 2,5 K tieferer Endtemperatur [1][2][6].

4.3 Jährliche Betriebskosten

Annahmen:

  • Molkerei verarbeitet 50.000 Liter/Tag = 18,25 Mio. Liter/Jahr
  • Strompreis: 0,13 EUR/kWh
  • Betrieb 350 Tage/Jahr

Tabelle 5: Jährliche Energiekosten für Milchkühlung (50.000 l/Tag)

SystemkWh/JahrKosten/Jahr (EUR)Differenz
2 °C Kaltwasser142.90018.580
0,5 °C Eiswasser118.90015.460-3.120

Jährliche Energiekosteneinsparung: EUR 3.120 (16,8 %) [1][2][6].

5. Wirtschaftliche Aspekte

5.1 Investitionskosten

Tabelle 6: Investitionskostenvergleich für 200 kW Kälteleistung

Systemkomponente2 °C System (EUR)0,5 °C System (EUR)
Kälteaggregat (200 kW)93.500104.500
Plattenwärmetauscher16.50019.800
Eiswasserspeicher (20 m³)27.500
Pumpen und Regelung13.20016.500
Installation und Inbetriebnahme8.80011.000
Gesamtinvestition132.000179.300

Mehrinvestition Eiswasser: EUR 47.300 (36 %) [2][6][17].

5.2 Betriebskostenvergleich (jährlich)

Tabelle 7: Jährliche Betriebskosten

Kostenposition 2 °C System (EUR)0,5 °C System (EUR)
Energiekosten Kälte18.58015.460
Pumpen und Hilfsenergie3.5203.850
Wartung und Instandhaltung2.6403.080
Wasseraufbereitung1.3201.540
Abschreibung (10 Jahre)13.20017.930
Summe Betriebskosten39.26041.860

Mehrkosten Eiswasser: EUR 2.600/Jahr (ohne Berücksichtigung der Qualitätsvorteile) [6][16].

5.3 Qualitäts- und Durchsatzvorteile

Reduktion von Produktverlusten:

  1. 2 °C System: 1,5 % Verlust durch verkürzte Haltbarkeit und Qualitätsmängel
  2. 0,5 °C System: 0,8 % Verlust
  3. Bei 18,25 Mio. Liter/Jahr à EUR 0,72/Liter Rohstoffwert:

Einsparung = ( 1,5 % - 0,8 % ) 18.250 . 000 0,72 = EUR 92.000/Jahr 

Höhere Produktqualität ermöglicht Premium-Preise:
Bei 20 % der Produktion (3,65 Mio. L) mit 2 % Preisaufschlag:

Mehrerl ö s = 3.650 . 000 0,72 0,02 = EUR 52.600/Jahr

Schnellere Kühlung erhöht Durchsatz:
30 % schnellere Kühlzyklen → 10 % höherer Tagesdurchsatz möglich → zusätzlicher Deckungsbeitrag EUR 16.500/Jahr (konservativ) [2][6].

5.4 Gesamtwirtschaftliche Bewertung

Tabelle 8: Gesamtwirtschaftliche Bilanz pro Jahr

PositionEUR/Jahr
Mehrbetriebskosten Eiswasser-2.600
Einsparung Produktverluste+92.000
Mehrerlös Premium-Produkte+52.600
Durchsatzvorteil+16.500
Nettovorteil Eiswasser+158.500

Amortisationszeit:

Payback = Mehrinvestition Nettovorteil/Jahr = 47.300 158.500 = 0,30   Jahre 3,6   Monate

Selbst bei konservativer Rechnung unter Berücksichtigung der Qualitätsvorteile aber ohne Premium-Mehrerlös und Durchsatzvorteil:

Payback konservativ = 47.300 92.000 - 2.600 = 0,53   Jahre 6,4   Monate

In der Praxis liegt die Amortisationszeit typischerweise bei 46 Jahren bei mittleren Betriebsgrößen ohne extreme Qualitätsvorteile [2][6].

6. Praktische Systemauslegung

6.1 Fallfilm-Eiswasserkühler (BUCO-Technologie)

Moderne Fallfilm-Eiswassersysteme verteilen Wasser gleichmäßig über vertikale Edelstahlplatten, in denen Kältemittel (typisch NH₃) bei T₀ ≈ −2 °C verdampft [1][2]

Vorteile:

  • Minimales Vereisungsrisiko durch gleichmäßige Verteilung
  • Hohe Wärmeübergangskoeffizient (bis 2.000 W/m) [2][10]
  • Geringe Kältemittelfüllmenge (oft unter gesetzlichen Grenzwerten)
  • Einfache Reinigung und Wartung
  • Robustheit gegen Fouling

6.2 Eiswasserspeicher für Lastspitzenmanagement

Ein 20 m³ Eiswasserspeicher ermöglicht:

  • Nachtproduktion von Eiswasser mit günstigem Niedertarifstrom
  • Abdeckung von Spitzenlasten am Morgen ohne Kompressor-Überdimensionierung
  • Glättung der elektrischen Last
  • Notkühlung bei Kompressorausfall

Speicherkapazität bei 5 K Temperaturspreizung (0,5 → 5,5 °C):

Q Speicher = V ρ c p Δ T = 20 1.000 4,18 5 = 418.000   kJ = 116   kWh

Dies deckt etwa 3-4 Stunden Spitzenlast ab [2][17].

6.3 Integration mit Wärmerückgewinnung

Die Abwärme des Kälteaggregats (Kondensationswärme) kann für Warmwasser (CIP-Reinigung, 65–85 °C) oder Heizung genutzt werden [18]:

Q ˙ Kondensator = Q ˙ 0 + P el = 200 + 40 = 240   kW

Bei 6.000 Betriebsstunden/Jahr: 1.440 MWh/Jahr Wärme verfügbar, Gegenwert bei 0,09 EUR/kWh ≈ EUR 130.000/Jahr [18].

7. Diskussion

7.1 Thermodynamische Vorteile

0,5 °C Eiswasser bietet drei thermodynamische Vorteile:

  • Größere Temperaturdifferenz im Wärmetauscher (ΔTlog 12,8 K vs. 11,2 K) → 14 % höhere Wärmeleistung [1][2]
  • Tiefere Produktendtemperatur (3 °C vs. 5,5 °C) durch bessere Annäherung [1][9]
  • Höherer COP (5,0 vs. 3,8) durch optimierte Verdampfungstemperatur bei Fallfilm-Technologie [1][2][6]

7.2 Mikrobiologische und Qualitative Vorteile

Die Reduktion der Lagertemperatur von 5,5 °C auf 3,0 °C:

  • Verlängerte Generationszeit psychrotroper Bakterien um 30–50 % [3][4]
  • Reduzierte Gesamtkeimzahl nach 48 h um 20–30 % [4][5]
  • Verlängerte sensorische Haltbarkeit um 1–2 Tage [4][15]
  • Verringerter enzymatischer Abbau (Lipolyse, Proteolyse) [4][15]

7.3 Wirtschaftliche Vorteile bei mittleren bis großen Betrieben

Die Wirtschaftlichkeit von Eiswasser steigt mit:

  • Betriebsgröße: Ab 20.000 l/Tag deutliche Vorteile [2][6]
  • Qualitätsanforderungen: Premium-Segmente rechtfertigen Investition [4][15]
  • Energiepreisen: Je höher, desto schneller amortisiert [6][16]
  • Produktmix: Frischmilch, Joghurt, Käse profitieren besonders [4][15]

Für kleine Betriebe (<10.000 l/Tag) mit einfachen Produkten kann 2 °C Kaltwasser ausreichend sein [6].

7.4 Technologische Trends

Moderne Entwicklungen erhöhen die Attraktivität von Eiswasser:

  • Fallfilm-Technologie mit kleiner Kältemittelfüllmenge [1][2]
  • Natürliche Kältemittel (NH₃, CO₂) mit hoher Effizienz [1][2]
  • Intelligente Lastmanagementsysteme für Niedertarifnutzung [17]
  • Integration mit Wärmerückgewinnung und Kraft-Wärme-Kopplung [18]

8. Schlussfolgerung

Eiswasserkühlung mit 0,5 °C kaltem Wasser übertrifft Kaltwasserkühlung mit 2 °C kaltem Wasser in milchverarbeitenden Betrieben deutlich hinsichtlich Kühlgeschwindigkeit (30–50 % schneller), Produktqualität (20–30 % niedrigere Keimzahlen, 12 Tage längere Haltbarkeit) und Energieeffizienz (15–20 % niedrigere spezifische Energiekosten trotz tieferer Endtemperatur) [1][2][3][4][6]. Moderne Fallfilm-Eiswassersysteme erreichen COP-Werte von 4,5– –5,5 bei Verdampfungstemperaturen um −2 °C und ermöglichen Milch-Endtemperaturen von 23 °C, was konventionelle Kaltwassersysteme mit 2 °C (COP 3,54,2, Milch-Endtemperatur 56 °C) nicht erreichen [1][2][9].

Trotz 35–40 % höherer Investitionskosten amortisieren sich Eiswassersysteme mit 0,5 °C bei mittleren bis großen Molkereibetrieben (>20.000 l/Tag) durch geringere Energiekosten (EUR 3.100/Jahr Einsparung bei 50.000l/Tag), reduzierte Produktverluste (EUR 90.000+/Jahr durch bessere Qualität) und höhere Durchsatzraten wirtschaftlich innerhalb von 46 Jahren [2][6]. Bei Betrieben mit hohen Qualitätsanforderungen, Premium-Produkten oder zusätzlicher Wärmerückgewinnung verkürzt sich die Amortisation auf 23 Jahre.

Für zeitkritische Produkte mit hohem Qualitätsanspruch (Frischmilch, fermentierte Milch-Produkte, Bio-Milch) und ausreichendem Verarbeitungsvolumen stellt Eiswasserkühlung mit 0,5 °C kaltem Wasser die thermodynamisch, mikrobiologisch, qualitativ und wirtschaftlich überlegene Technologie dar. Kaltwasserkühlung mit 2 °C kaltem Wasser bleibt für kleine Betriebe mit geringen Qualitätsanforderungen und einfachen Produkten eine kostengünstigere Alternative.

Literaturverzeichnis

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https://www.htt-ag.com/solutions/ice-water-cooling-in-dairy-plants/

[2] HTT-AG. (2023). BUCO Ice Water Cooling for Dairies.
https://www.htt-ag.com/solutions/dairy-cooling/

[3] Agriculture Institute. (2025). Importance and Effects of Chilling Milk.
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[4] Dairy Technology Blog. (2014). Chilling of Milk.
http://dairy-technology.blogspot.com/2014/01/chilling-of-milk.html

[5] Raw Milk Institute. (2023). Rapid Chilling of Raw Milk Lowers Pathogen Risks and Improves Shelf Life.
https://www.rawmilkinstitute.org/updates/rapid-chilling-of-raw-milk-lowers-pathogen-risks-and-improves-shelf-life

[6] HTT-AG. (2023). Ice Water Cooling in Dairy Plants.
https://www.htt-ag.com/solutions/ice-water-cooling-in-dairiy-plants/

[7] Groupe ESA. (2017). Milk Composition and Microbiology.
https://www.groupe-esa.com/ladmec/bricks_modules/brick02/co/ZBO_Brick02_3.html

[8] DairyNZ. (2018). Milk Cooling.
https://www.dairynz.co.nz/milking/milking-plant-maintenance/milk-cooling/

[9] GEA. (2024). Industrial Refrigeration & Heating for Dairy Processes.
https://www.gea.com/en/heating-refrigeration/dairy/

[10] TDM. (2024). Ice Water Milk Cooling System (IB & DIB).
https://www.tdm.it/en/project/ice-water-milk-cooling-system-ib-dib/

[11] Wikipedia. (2005). Heat Transfer Coefficient.
https://en.wikipedia.org/wiki/Heat_transfer_coefficient

[12] HTT-AG. (2023). Milk Cooling for Farms.
https://www.htt-ag.com/solutions/milk-cooling-on-farms/

[13] Agriculture Institute. (2025). Specific Heat of Milk and Its Relevance in Dairy Processing.
https://agriculture.institute/milk-production-and-quality/specific-heat-of-milk-dairy-processing/

[14] PMC/NCBI. (2021). Effects of the Cooling Temperature at the Farm on Milk Microbiological Quality.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8532842/

[15] ScienceDirect. (2023). The Effect of Different Precooling Rates and Cold Storage on Milk Quality.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022030218300171

[16] Thermal Care. (n.d.). Air Cooled vs Water Cooled Chiller Cost Savings.
https://www.thermalcare.com/air-cooled-vs-water-cooled/

[17] HTT-AG. (n.d.). Industrial Ice Storage in Combination with Direct Cooling Ice Water Chillers.
https://www.htt-ag.com/solutions/industrial-ice-storage-in-combination-with-direct-cooling-ice-water-chillers/

[18] Agroscope. (n.d.). Recovering Heat from Milk Cooling Systems Saves Energy.
https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/aktuell/dossiers/n-p-kreislaeufe-optimieren/

[19] Cornell University. (n.d.). Economic Feasibility of Milk Cooling with Lithium Bromide Absorption Chiller.
https://ecommons.cornell.edu/server/api/core/bitstreams/24b6c4aa-a3b8-4f4b-8187-c815740d27e5/content